Was ist der Unterschied zwischen einem Tinnitus Masker und einem Tinnitus Noiser?

Im Rahmen einer Tinnitus-Behandlung ist häufig die Rede von einem Tinnitus Noiser oder einem Tinnitus Masker. Technisch gesehen gibt es zwischen diesen beiden Gerätetypen keinen Unterschied. Der Unterschied liegt vielmehr in der Behandlungsstrategie. Dennoch werden die Bezeichnungen uneinheitlich und meist falsch verwendet, sogar von Fachleuten. Als Tinnitus-Betroffener sollten Sie die Unterschiede allerdings kennen.

Viele Menschen haben es schon einmal erlebt: Plötzlich pfeift, piepst, klingelt, summt oder brummt es in den Ohren, ohne dass es dafür eine Geräuschquelle gibt. Eine regelrechte akustische Halluzination. Der Fachmann nennt diese Hörtäuschung Tinnitus. Meist geht so ein Tinnitus auch schnell wieder vorbei. Bei etwa 10 Prozent der Bevölkerung allerdings nicht. Bei ihnen sind diese nervigen Geräusche Dauerzustand. Und lassen sich auch nicht einfach abstellen. Dafür beeinträchtigen sie die gesamte Lebensqualität, und auch an einen erholsamen Schlaf ist kaum noch zu denken. Denn vor allem in der Stille werden diese Geräusche besonders deutlich und unerträglich.

Es gibt viele Ursachen, die einen Tinnitus auslösen können, etwa wenn jemand längere Zeit Lärm ausgesetzt ist (Arbeitsplatz, Disco- oder Konzertbesuch) oder durch Stress. Und es gibt bis heute keine bei allen Patienten funktionierende Heilungsmethode, und erst recht gibt es keine Medikamente gegen Tinnitus.

Die therapeutischen Ansätze sind recht unterschiedlich. Eine der Behandlungsmethoden ist die Tinnitus Retraining Therapie (TRT). Sie setzt weniger auf eine Heilung und das Enden der Geräusche, sondern auf das Sich Arrangieren und Leben mit dem Tinnitus, also auf die  Gewöhnung oder Habituation.

Doch das ist leichter gesagt als getan.

Die TRT-Behandlung setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen. Dazu gehören auch technische Mittel, um den Gewöhnungsprozess zu erleichtern.

In diesem Zusammenhang ist immer wieder die Rede von Tinnitus Noiser und Tinnitus Masker. Oft werden die Bezeichnungen synonym verwendet, was für zusätzliche Verwirrung sorgt.

Tinnitus Noiser und Tinnitus Masker – die Gemeinsamkeiten

Tatsächlich handelt es sich dabei aber, rein technisch gesehen, um die gleichen Geräte. Da sie zur Behandlung von Tinnitus eingesetzt werden, bezeichnet man sie auch als Tinnitus Control Instrument oder kurz TCI.

Gemeinsam ist ihnen, dass sie ein permanentes, breitbandiges Rauschen erzeugen. Dazu wird meist ein Weißes Rauschen verwendet. Deshalb auch oft die Bezeichnung Rauschgerät.

Die Geräte ähneln gängigen Hörgeräten (wichtigster Unterschied: sie haben kein Mikrofon zur Verstärkung der Außengeräusche) und werden wie diese je nach Modell Hinter dem Ohr (HdO) oder im Ohr (iO) getragen.

Werden Hörgerät und Tinnitus-Noiser miteinander kombiniert, spricht man von einem Tinnitus Instrument. Diese Kombigeräte machen vor allem dort Sinn, wo zu dem Tinnitus auch ein vermindertes Hörvermögen kommt, etwa bei älteren Menschen.

 

Tinnitus Noiser und Tinnitus Masker – die unterschiedlichen Konzepte

Die unterschiedlichen Bezeichnungen sind Ausdruck für unterschiedliche Konzepte, nach denen diese Geräte in der Tinnitus-Behandlung eingesetzt werden. Im Grunde sagen die Namen bereits alles, was Sie über diese Geräte beziehungsweise den Behandlungsansatz wissen müssen: Das englische Wort „noise“ bedeutet „Lärm“, „mask“ bedeutet maskieren.

  • Beim Tinnitus Masker geht es darum, dass das Tinnitus-Geräusch durch ein anderes Geräusch überdeckt oder übertönt (maskiert) wird. Demzufolge ist das vom Gerät produzierte Geräusch lauter oder dominant. Das Gerät erzeugt sozusagen ein Gegengeräusch. Die Idee ist, dass der Betroffene seinen Tinnitus nicht mehr hört. Dadurch ist aber auch eine Gewöhnung an das Tinnitus-Geräusch kaum noch möglich. Deshalb gilt dieser therapeutische Ansatz inzwischen auch als veraltet.
  • Beim Tinnitus Noiser dagegen wird das Tinnitus-Geräusch in in eine Geräuschumgebung eingebettet. Der Tinnitus ist zwar noch zu hören, er hat aber nicht mehr die herausragende Bedeutung. Hier geht es darum, dass der Betroffene lernt, sich an das Tinnitus-Geräusch zu gewöhnen und sozusagen darüber hinweg zu hören. Dieses Behandlungs-Konzept wird heute eher favorisiert.

Tipps für die Auswahl eines Tinnitus Noisers

Wenn Sie sich auf die Suche nach einem Tinnitus Noiser begeben, sollten Sie folgende Tipps befolgen:

  • Lassen Sie sich nicht von den Bezeichnungen verwirren.
  • Fragen Sie im Fachhandel oder suchen Sie im Internet zunächst sowohl nach Tinnitus Maskern als auch nach Tinnituis Noisern.
  • Fragen Sie nach, lassen Sie sich erklären und lesen Sie in der Beschreibung nach, wie das Gerät eingesetzt wird. Aufgrund dieser Beschreibung wird Ihnen schnell klar werden, welcher Behandlungsansatz hier zugrunde liegt: Maskierung oder ein gleichwertiges Rauschen.
  • Von einer Maskierung des Tinnitus-Geräuschs sollten Sie eher Abstand nehmen. Nur durch das Noiser-Konzept wird es Ihnen gelingen, sich an das Ohrgeräusch zu gewöhnen.

 

Ziel der der Tinnitus Retraining Therapie (TRT) ist nicht das Ignorieren des Tinnitus, sondern die Gewöhnung an das Klingeln in den Ohren und das Leben mit dem Tinnitus. Aus heutiger Sicht lassen sich mit einem Tinnitus Noiser gute Behandlungserfolge erzielen. Die Erfolgsquote wird mit 50 Prozent angegeben, eindeutige Studien fehlen derzeit allerdings. Bis zur Gewöhnung dauert es erfahrungsgemäß etwa 2 Monate bis zu 1 Jahr. Auf alle Fälle sollte sich die Behandlung nicht nur auf einen Tinnitus Noiser beschränken. Vielmehr sollte der Noiser Bestandteil einer umfassenden Tinnitus Retraining Therapie sein.